Stimmen

Konkrete Kunst oder
vom langsamen Erfassen sinniger Objekte

Das Readymade wird in der Kunst der letzten 90 Jahre als ein Grenzphänomen betrachtet. Entweder kann es zur Heiterkeit ausschlagen oder zur intellektuellen Diskussion der Begrifflichkeit des Wortes Kunst wie bei Marcel Duchamp.

Um Grenzphänomene geht es auch in den Werken von Horst Engel. Wort und Sprache spielen eine eminent wichtige Rolle und werden seziert, indem einzelne Worte wörtlich genommen werden. Oft kombiniert mit der Magie eines alltäglichen Gegenstandes. So gehören Birnen, Toilettenpapierrollen, Pasta, Spielwürfel und Kondome zum Repertoire, mit dem er arbeitet. Es entsteht eine Spannung, ein Bruch zwischen der Erwartungshaltung des Betrachters an die Kunst in den „heiligen“ Hallen einer Ausstellung und dem unprätenziösen Materialien und dem Schabernack des Künstlers.

In den Installationen, Mini-Objekten und Aktionen verwendet Horst Engel bereits vorhandene Dinge und unterzieht sie einer Umwertung. So wird der „Spaghettiträger“ zu einer realen Aktion, in der von eben solchen „Spaghettiträgern“ 35 Holzstäbe durch die Innenstadt von Lünen getragen werden. Doppelbedeutungen, Wortwitz und Sammeltrieb sind hier gepaart mit einer frechen Respektlosigkeit bezüglich ästhetischer Theorien mit intellektuellem Überhang. Das Ergebnis ist eine Reihe von Kunstobjekten, die der Lüner Künstler geistiger Nahrung vergleichbar zum, so wörtlich „geistigen Sofortverzehr“ anbietet.

Eine Arbeit aus dem Jahr 1998 ist mit „Haarakiri“ betitelt. Vorgeführt wird mitnichten die japanische Technik des Freitodes, sondern eine riesige Collage aus Haarlocken und einem Etikett der Käsesorte „Kiri“. „Erotik im Revier“ ist gar nicht sexy, zwei Eierkohlebriketts auf einer Glasplatte sind die Bestandteile der Arbeit.

Umdenken, schmunzeln und die Lust am geistigen Spagat kennzeichnen seine gesamten Arbeiten. Irritierende Absicht muss unterstellt werden, wenn er dem Publikum einen doch eher seltenen Kunstbegriff vorstellt: Kunst macht Spaß, verführt uns zur Selbstironie, ist frei von allen Klischees, und gleichzeitig wird das Scheitern der Sprache keck und intellektuell vorgestellt. Er selbst ordnet sich einer frei erfundenen Kunstrichtung zu, dem Kompressionismus, den er mit Andreas Becker kreierte. Ein Stil, der unter anderem geprägt ist durch die Lust am Widerspruch und der Sorglosigkeit bezüglich üblicher Bewertungen. Ausstellungstitel wie Besenrein, Fass-ungslos oder Tomaten im 3. Lehrjahr belegen, aus welchen Quellen hier geschöpft wird:

Wer nun ist Horst Engel ?

Ob als Privatmann, Erfinder oder Schriftsteller, nie ist er ohne seine persönliche Dreifaltigkeit anzutreffen: Humor, Ironie und Aberwitz.

Horst Engel: Erbsenzähler, Tausendsassa, Intellektueller, Objketkünstler, Schamane des Wörtersees und Provokateur. Dieser Handlungsreisende der Missverständnisse ist in Sachen Sprachlosigkeit unterwegs und Beauftragter der Umwertungskommission für einzelne Vokabeln der deutschen Sprachgemeinschaft des einundzwandzigsten Jahrhunderts. Er ist Opfer und Täter zugleich, irritierender Erzähler, der mit Lüge und Wahrheit zu spielen versteht. Dieser Zeitzeuge des alltäglichen Wahnsinns arbeitet mit Bildern, Themen und einer beseelten Dingwelt, die wir alle kennen. Wer hält nicht den Krieg zwischen Clementinen und Mandarinen für möglich oder ist erheitert über die Vorstellung eines Bordellbesuches einer Gruppe von Birnen.

Seine Muse: Ein handfestes Weib, prall und drall, voller Kraft küsst Sie Ihn, so sieht er in ganz einfachen Dingen das Besondere und im Ernsten das Witzige.

Seine Kunst: Objekt, Installation und nicht zuletzt die Erzählkunst, sie ist bildgewordener Wortwitz und irre Kapriole.

Seine Triebfeder: Ironie, gepaart mit kongenialem Humor und die pure Lust am Absurden.

Sein Material: Triviale Dinge das alltäglichen Gebrauchs, das Wort und der blitzende Witz.

Sein Tatort: Der Alltag in Deutschland, der Supermarkt, die Straße und überall wann immer die Muse ihn küsst.

Seine Zielgruppe: Jedermann.

Er ist ein Revolutionär, der mit dem gezielten Wort und der Mission zu professioneller Werbung für mehr Spaß und Humor Kunst und Alltag verknüpft.

Ute Kaldune, Kunsthistorikerin